Fake or Fortune

Die BBC hat in den letzten Wochen 4 Folgen einer Dokumentationsserie ausgestrahlt, die den Titel „Fake or Fortune“ trägt. Heute wurde der letzte Teil gesendet.

In der Serie suchen eine BBC Moderatorin, ein kommerzieller Galerist und ein Wissenschaftler unentdeckte Geheimnisse hinter Gemälden. Der reißerische Trailer verspricht abenteuerliche Entdeckungen, Dramen und dunkle Geheimnisse, verschlossen in Farbe.

In der letzten Folge entdecken Fiona Bruce, Philip Mould und Bendor Grosvenor ein Gemälde in einem südafrikanischen Auktionshaus, das Rembrandt zugeschrieben ist. Die Kunstjäger vermuten, daß es sich um ein echtes Werk von Rembrandt handeln könnte. Außerdem handelt es sich offenbar um ein gesuchtes Gemälde, daß von der jüdischen Familie Oppenheimer enteignet und 1935 im Berliner Auktionshaus Graupe versteigert wurde.

Die Versteigerung des Gemäldes kann gestoppt werden und die Recherche beginnt. Doch wie schon in den vorausgegangenen Folgen stürzen sich die beiden Hauptakteure auf eigene Faust in übertriebene Aktionen. Sie betreten öffentlich zugängliche Museen und Bibliotheken als wären es geheime Schatzkammern und erklären ihre Ergebnisse zu spektakulären Funden. Durch das Vergleichen von Nasen und Augen können sie „aufdecken“, daß Rembrandt sehr häufig das selbe Model malte. Dabei ist es kein Geheimnis, daß die Züge des Künstlers in vielen seiner Portraits, selbst der weiblichen, zu finden sind. Daß der Auktionskatalog von 1935 den Dargestellten als Rembrandts Vater bezeichnet, wird nicht erwähnt.

Fiona Bruce macht sich auf, das Rätsel der von den Nationalsozialisten gestohlenen Gemälde zu lösen (im Journalismus muss man wohl hochstapeln) und ist erstaunt, wieviele Werke betroffen sind. Sie trifft den derzeitigen Besitzer des Gemäldes in Südafrika, der bereit ist, das Bild zu restituieren. Allerdings glaubt er nicht, daß sein Großvater das Bild in der Berliner Auktion gekauft hat, mit der Begründung, dieser sei ein sehr korrekter Mensch gewesen und hätte niemals fremden Besitz erworben.

Zwar kontaktieren Fiona Bruce und Philip Mould im Verlaufe der Sendung auch die offiziellen Adressen: Die Anwältin der Oppenheimer Erben in Paris, das Rembrandt Research Project in Amsterdam und die Looted Art Commission in London. Sie lassen die Wissenschaftler sprechen und geben deren Schlüssen Raum.

Philip Mould besucht die Experten und Restauratoren in Amsterdam. Diese kommen zu dem Ergebnis, daß es sich bei dem Maler um einen Rembrandt-Schüler handelt. Sie nennen den möglichen Namen, erklären jedoch ausdrücklich, daß damit mehrere weitere Schüler bezeichnet werden, die namentlich unbekannt sind.

In London kommt heraus, daß auch Erben einer in den 1930er Jahren enteigneten jüdischen Bank Anspruch auf das Bild angemeldet haben. Im Verlauf der Sendung kann leider nicht geklärt werden, wer der rechtmäßige Besitzer ist.

Doch was passiert nun? Die Moderatorin und der Galerist erklären, man habe einen weiten Weg hinter sich gebracht und habe das Geheimnis des Bildes aufgedeckt! Entgegen der Aussage der Amsterdamer wird gesagt, man kenne nun den Namen des wirklichen Künstlers hinter dem Gemälde. Dies sei im Kunsthandel ausgesprochen wichtig und die Zuschreibung des südafrikanischen Auktionshauses damit obsolet!

Tatsächlich konnte das Team das Bild in den richtigen Restitutionszusammenhang bringen. Aber eigentlich hätte das südafrikanische Auktionshaus die entsprechenden Institutionen kontaktieren müssen. Die Besitzer konnten nicht gefunden werden und die Zuschreibung ist so wage wie zuvor.

Die Sendung wird nach 4 Folgen nicht weitergeführt. Zwar ist das Thema spannend und bietet tolle Unterhaltung. An einigen Stellen wurden sicher wichtige Fragen gestellt und vielleicht einige interessante Aspekte vorgeführt. An anderen Stellen wurde jedoch großer Schaden angerichtet oder überhaupt nichts erreicht. Recherche und Präsentation waren nicht nur reißerisch sondern oft unseriös und einige Male geradezu verfälschend.

www.bbc.co.uk/programmes/b0125by8

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Eine Antwort zu Fake or Fortune

  1. Karoline schreibt:

    Natalie, ich habe das gerade gelesen… sehr interessant… vielleicht wissen wir etwas über die Oppenheimers (weitläufig mit einem Cousin von Christian verwandt)
    Liebe Grüße, Karoline

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