Leighton House Museum

Das Wohnhaus und Atelier des Malers Frederic Leighton (1830-1896) ist ein Gesamtkunstwerk und einen Besuch wert. Über Jahrzehnte hat hier der Architekt George Aitchison die ästhetischen Träume des im Victorianischen Zeitalter hoch angesehenen und von Queen Victoria geadelten Lord Leighton wahr werden lassen. Heute ist sein privater Palast des Eklektizismus ein öffentliches Museum.

Von außen ist alles karminroter englischer Brick. Im Inneren stehen japanische Vasen vor einer türkischen Hochzeitstruhe, der Fußboden besteht aus römischen Mosaiken, am Treppenaufgang sitzt ein ausgestopfter Pfau. In einen schwarzen Türbogen ließ sich Leighton das deutsche Wort Prosit schnitzen (Leighton hatte mehrere Jahre in Berlin und Frankfurt am Main studiert).

Der märchenhafteste Raum ist die Arab Hall in der sich Leighton seine große Sammlung syrischer Kacheln anbringen ließ; die Fensterrahmen stammen aus Kairo. An vielen Wänden hängen Gemälde und Zeichnungen des Künstlers. Alles ist überwältigend und zum Staunen. Auch weil es eigentlich von allem zu viel ist, aber das sehr konsequent und vom Feinsten. Bescheiden ist das kleine Schlafzimmer mit einem schmalen Bettgestell für den lebenslangen Junggesellen. Das große Atelier wurde genau auf die Bedürfnisse des Künstlers zugeschnitten. Es hat eine eigene kleine Bühne und ist nach meiner Vorstellung einem Meisteratelier in der Akademie ebenbürtig.

Im Atelier sah ich auch eine deutsche Künstlerin wieder, die unten schon vor einer großen Staffelei gestanden hatte und eine leighton-eske Fantasie der Eingangshalle mit Pfau und Frau malte. Einen jungen Maler im Atelier eines künstlerischen Vorbilds arbeiten zu lassen, ist sehr schön. Aber auf diese Weise wird leider in den Stil des Hauses eingegriffen. Hier oben, in Leightons Atelier, der heiligsten Halle des Ästheten, hatte sie eine Anzahl eigener großformatiger Gemälde aufgestellt und malte während der Öffnungszeiten. Ich hatte das Gefühl, der Geist des Verstorbenen wurde mit Kunst deutlich unter seinem Niveau in seinen eigenen Räumen gestört. Als Besucher fühlte ich mich unwohl und ging lieber schnell weiter in den lichtdurchfluteten Wintergarten.

Das Museum wurde vor wenigen Jahren aufwendig restauriert. Vieles wurde von traditionell arbeitenden Kunsthandwerkern aufgearbeitet oder neu hergestellt, man hat versucht, dem Original so nah wie möglich zu kommen – mit Erfolg. Diese fremdländische und zugleich private Fantasiewelt zu besichtigen lohnt sich.

www.rbkc.gov.uk/subsites/museums/leightonhousemuseum.aspx

Fotos der Innenräume: © Will Pryce

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Eine Antwort zu Leighton House Museum

  1. Martin schreibt:

    Toll, Natalie – das kenne ich noch nicht und muß es mir bei unserem nächsten London-Besuch unbedingt anschauen. Das erinnert mich natürlich an Sir John Soanes – aber das kennst Du ja bestimmt.

    Liebe Grüße

    Martin

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