Tate 2: Tacita Dean

In der großen Turbine Hall der Tate Modern hat Tacita Dean den neuen Auftrag des Riesenkonzerns Unilever bekommen. Sie hat eine wunderschöne farbige Filmcollage gebaut, die im Rahmen eines gelochten Filmstreifens das Motiv der Halle mit surrealen und geometrischen Motiven verbindet. Ein hervorragender Ort zum Meditieren.

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zwei mal drei macht vier

In London geht es ums Geld. Überall, wo es etwas zu kaufen gibt, herrscht Druck. Und alles ist erlaubt. Niemand hat mich in den ersten Wochen so oft angerufen wie die Fitness Studios, die ich besucht hatte und die mich zu einem Jahresvertrag überreden wollten. In den Läden für Mobiltelefone wird man fast gefesselt, damit man nicht ohne einen neun Vertrag hinaus geht. Mich macht dieses aufdringliche Verkaufen so mißtrauisch, dass ich mir Hanteln für Zuhause gekauft habe und noch immer meine un-smartes Handy besitze.

Aber englischer Preislogik kann man sich nicht entziehen. In den Supermärkten ist alles voller schreiender Schilder, die Sonderangebote anpreisen. Man ist gewarnt. Doch was einem Kunden hier angetan wird, ist offenbar nicht nur chaotische Geschäftsführung. Die Preispolitik ist nicht nur irreführend, sie ist kundenfeindlich. Ein Sonderangebot war zuvor günstiger oder es wird entgegen der gewohnten Mengenlehre bepreist: Hier zahlt man bei einer größeren Packung nicht etwa weniger sondern mehr pro Gramm.

Parmesan für 2.92 als Price Drop, darüber derselbe Käse mit dem alten Preis von 2.58

Kaffee teurer in der großen Packung: 200g für 2.28 und 300g für 4.94

Couscous: 500g für 61p 1kg für 1.23p

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Defence Secretary

Liam Fox and Adam WerrittyDas Vereinigte Königreich hat seinen Verteidigungsminister- Skandal. Hier geht es um mehr als einen Doktortitel. Aber die politischen Reaktionen sind ähnlich und mehr als peinlich.

Offenbar hat sich der Defence Secretary Dr. Liam Fox von seinen Freund und Trauzeugen Adam Werritty jahrelang inoffiziell beraten lassen und ihn an seinen offiziellen und mit Steuergeldern finanzierten Posten profitieren lassen (Fox hatte schon unter John Major in verschiedenen ministeriellen Rollen fungiert und war zuletzt Verteidigungssprecher im Schattenkabinett der Tories, bevor er mit ihnen wieder in die Regierung kam).

Unbegrenzt wie es scheint hatte Werritty Zugang zum Büro des Verteidigungsministers. Eigentlich gilt der Bereich dieses Ministeriums als äußerst sensibel und unterliegt daher besonderen Sicherheitsauflagen. Alle diese Auflagen wurden jedoch umgangen. Mehr noch, Werritty nutzte das Ministerium offenbar über längere Zeit als eigenes Büro, inklusive des Ministeriums-Briefpapiers. Er gab sich als offizieller Berater des Ministers und Mitglied des Ministeriums aus, verteilte entsprechende Visitenkarten und begleitete Fox auf dutzenden Auslandsreisen. Bei offiziellen Beratungen saß er neben dem Minister.

Es muß um viel Geld gegangen sein. Denn offenbar vermittelte Werritty Geschäftsleuten den Kontakt zum Minister. Dabei ging es auch um Waffenhandel, unter anderem mit Sri Lanka. Die Vermittlung eines Treffens mit einem aussagefreudigen amerikanischen Geschäftsmann in Dubai steht im Mittelpunkt des Skandals.

Liam Fox mußte sich nach monatelangem Ausweichen nun öffentlich äußern. Es gab eine Entschuldigung für das Verwischen der Grenze zwischen Amt und Privatleben und das Versprechen, diese Grenze künftig genauer zu beachten!

Wie immer stellt sich der Premierminister mit allen Regierungskollegen öffentlich hinter den Minister. Cameron lobt dessen Führungsstil („Leadership“ ist Camerons Lieblingswort) und betont, er habe sich entschuldigt. Die Regierung versucht nun aktiv, eine Aufklärung zu verhindern. Statt des für die Überwachung der Ministerien zuständigen und unabhängigen Commissioners wurden interne Mitarbeiter mit der Untersuchung beauftragt. Fox selbst scheint sich ebenfalls keines Fehlverhaltens bewußt zu sein. Tatsächlich ist ihm offenbar kein Rechtsbruch vorzuwerfen. Auch Werritty ist kaum zu fassen, weil er eine Privatperson und kein Staatsbeamter ist (auch wenn er sich dafür ausgegeben hat).

Ein Skandal! Empörend ist das Vorgefallene an sich, aber auch die Reaktionen. Den Akteuren scheint es nicht nur an (Un-) Rechtsempfinden zu mangeln. Hier gibt es offensichtlich keinerlei moralischen Kompass, keine Urteilsfähigkeit und insgesamt: Keinen Charakter. Wie kann man sich über Jahre so verhalten und es als richtig empfinden? Wie kann man für einen Moment glauben, dass ein solches Verhalten irgendwie zu entschuldigen ist? Auf welcher Basis werden hier generell politische Entscheidungen getroffen? Wieso wurde dieses Vorgehen jahrelang toleriert? Wie wird mit der Öffentlichkeit umgegangen, die einen völlig reuelosen Versager, vielleicht sogar bewußten Betrüger (bzw. mehrere) ertragen und letzten Endes bezahlen muß?

JustitiaSelbst wenn es zu einem Rücktritt kommt und sogar wenn der unwahrscheinliche Fall einer  Verurteilung von Fox und Werritty eintritt: Wird eine Strafe im selben Verhältnis zur Tat stehen wie die Verurteilung eines Jugendlichen zu 6 Monaten Haft wegen des Diebstahls  einer Wasserflasche während der Riots?

Man ist gespannt, wie das Schauspiel weiter geht. Hoffentlich gibt es einen guten Schlußakt.

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The Big Issue

The Big IssueGestern kam die neue The Big Issue heraus. Die schon seit 20 Jahren existierende Wochenzeitschrift ermöglicht es den obdachlosen Autoren und Verkäufern, ein legales Einkommen zu erwerben und ist so etwas wie der Straßenfeger und die Motz in Berlin. Auch verkauft wird sie von ähnlichen Menschen, denen Ihr Lebens ins Gesicht geschrieben steht. Immer schwankend zwischen schlechtem Gewissen und Überforderung begegne ich ihnen – an manchen Tagen stehen an jeder Ecke 4 Verkäufer. Aber oft genug bringt ein Spruch der Verkäufer unerwartet ein Lächeln auf mein Gesicht.

Heute komme ich total erkältet und mit geschwollenen Augen und Nase die Straße entlang und will mich vor anderen Passanten am liebsten verstecken. Von Weitem höre ich aber schon den Ruf „Big Issue, darling?“. Gar nicht in der Lage zu sprechen schüttele ich nur den Kopf und versuche, wenigstens nett zu lächeln. Doch nein, das reicht nicht, der Mann ruft mir fröhlich hinterher: „May I take that as a No, sweatheart?“ – die Engländer!

Ein andere Verkäufer bringt mich richtig laut zum Lachen. Wenn man um die Ecke kommt, schmeißt er urplötzlich hektisch alle Exemplare auf seinem Arm in die Luft und fängt eine Art panisches Jonglierspiel an. Das verrückte ist, es ist wirklich gekonnt und nie fällt eine Zeitung dabei herunter! Nächstes Mal mache ich ein Foto.

Ein Big Issue Verkäufer hat schon oft „made my day“. Zum Glück gibt es sie! Herzlichen Glückwunsch zum 20.!

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Ladies ohne Stilettos

Zurückgelassene Stilettos in MayfairNachts ist in London was los. Im Laufe der Woche schwillt die Partylaune an. Schon Donnerstags wird es auf den Straßen lauter, aber am Samstag kommen dann aus allen Vororten und Youth Hostels Massen von gröhlenden Männern und kreischenden Frauen zusammen. Die englischen Ladies übertrumpfen inzwischen ihre Brüder. In Rikschas sitzend und angezogen, als würde es zu einer Hochzeit gehen (mit Krönchen im Haar) schreien sie aus voller Kehle. Als kontinentaler Ausgehender ist es schwierig, diesem Spaßmaß zu folgen. Deutsche Frauen (und Männer) können besonders das Tragen von 10 cm+ hohen Absätzen nicht verstehen. Leider können gar nicht alle Engländerinnen diese Schuhe tragen. Leicht nuttig und gleichzeitig hilflos staksen sie durch die Nacht. Doch schon ab dem frühen Abend sieht man die ersten Opfer auf der Straße: Barfuß, manchmal mit zerrissenen Strumpfhosen (obwohl Engländerinnen auch im Winter oft nackte Beine haben) geht es da über Stock und Stein. Neben der Eleganz bleiben dann auch die Schuhe auf der Strecke, so wie dieses Paar zurückgelassener Stilettos letzten Sonntag in Mayfair.

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Das dicke Ding: Gentlemen ohne Selbstbewußtsein

Self Confidence for Gentlemen

Gentlemen's Tonic at Gieves HawkesEin Gentleman ist von bester Bildung und perfekter innerer und äußerer Haltung. Er ist anders als wir gewöhnlichen Menschen. Er kennt nicht die alltäglichen Sorgen und Ängste die unsereins plagen. Er steht über den Dingen.

Oder nicht? Wieso hängt sein Selbstbewußtsein von seinem Haarschnitt, seiner Rasur, seinem Waxing und dem Zupfen seiner Augenbrauen ab?

Gesehen bei Gieves&Hawkes, Herrenausstatter in der Saville Row http://www.gievesandhawkes.com

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Anschauen: Skulpturen und Indonesische Kunst bei Saatchi

Es war mal wieder Zeit für einen Besuch in der Saatchi Gallery, die Shapes of things to come: New Sculpture zeigt. Die Ausstellungsräume sind voller interessanter und schön seltsamer Skulpturen. Deformierend vernähte Pferdekörper und verwachsene Halbmenschen von Berlinde de Bruyckere, triefende Kunststoff-Stalagmiten an einem riesigen Altargebilde von Sterling Ruby und zwei gecrashte und um Pfosten gewickelte Autos (natürlich asiatische) von Dirk Skreber. Saatchi will wieder dröhnen.

Berlinde de Bruyckere: Marthe         Sterling Ruby: Recondite, Detail

Tatsächlich stellt sich bei manchen der Schauer-Skulpturen ein Gefühl von einer anderen Realität ein, von etwas wie einer Zwischenwelt oder einer Filmwelt. Der Ausstellungstitel suggeriert, hier würden Zeichen einer kommenden Zeit gezeigt. Auch wenn das Unheimliche in der Ausstellung irgendwie Spaß macht, ist diese kommende Zeit hoffentlich ein kleines bisschen sensibler und hoffentlich wird es nicht so apokalyptisch.

In den oberen Räumen sind eine große raupenartige Neon-Installation von Björn Dahlem und ein schönes Neonröhren-Gestrüpp von Anselm Reyle zu sehen. Auch diese Werke haben etwas von Zerfall und Wucherung.

Björn Dahlem: Milky WayAnselm Reyle: Untitled

Am Ende der Räume wurde ich von einer gänzlich anderen Ausstellung überrascht: Indonesian Eye. Fantasies and Realities. Zunächst ging ich schnell und mit Anlauf dem Ende zu, in der Erwartung, gutgemeinte Entwicklungshilfe präsentiert zu bekommen. Auf den ersten Blick wirkte die Kunst in diesem Räumen flach und leicht verdaulich. Doch ich lag komplett falsch!

Die meisten dieser Werke indonesischer Künstler sind künstlerisch richtig spannend und haben wirklich etwas zu sagen. In vielen kommt das Thema Gewalt durch; nicht aufgearbeitete gesellschaftliche, politische und ökologische Spannungen sind unübersehbar (nicht nur wegen der Titel). Künstlerisch sind sie nicht fremd, ohne aber Anbiederungen an westliche Kunst zu sein. Die Schau, die interessanterweise zuvor in Jakarta gezeigt wurde, ist eine kleine Überraschung!

Jompet Kuswidananto: War of Java. Do you remember? #1         Haris Purnomo: Waiting for the Signal

Agung Mangu Putra: Global Warming III The left and the melted ones

Shape of things to come. New Sculpture bis zum 15. Oktober / Photos © Saatchi Gallery www.saatchi-gallery.co.uk/artists/sculpture/

Indonesian Eye nur noch bis zum 9. Oktober www.indonesianeye.com

Die kommende Ausstellung in der Saatchi Gallery widmet sich übrigens deutscher Kunst: Vom 18. November 2011 bis zum 30. April 2012 gibt es Gesamtkunstwerk: New Art from Germany www.saatchi-gallery.co.uk/artists/germany_art/

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